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Nginx Proxy Manager vs. Traefik vs. Caddy: Der Free-Hosting-Proxy-Vergleich

📅 29.08.2026 ⏱ 8 Min. Lesezeit ✍️ Redaktion

Drei Open-Source-Reverse-Proxys, null Euro Kosten: Wir haben Nginx Proxy Manager, Traefik und Caddy im realen Betrieb getestet – Konfiguration, Let's-Encrypt-Handling und Performance – und sagen dir am Ende, welcher Proxy zu dir passt.

Worauf es bei einem Reverse Proxy ankommt

Hinter einem Reverse Proxy verstecken sich alle deine Dienste: Er nimmt Anfragen von außen entgegen, stellt HTTPS-Zertifikate automatisch aus und leitet den Traffic an die richtigen Container weiter. Damit deine Dienste nie direkt im Internet hängen (siehe auch unser Docker-Compose-Tutorial), ist er das zentrale Einfallstor – und damit die wichtigste Komponente deines Setups. Getestet haben wir nach vier Kriterien:

  • Einrichtung: Wie schnell steht der erste Proxy-Host?
  • TLS-Automatisierung: Let's Encrypt inklusive Erneuerung – wie wartungsarm?
  • Docker-Integration: Erkennt der Proxy neue Container selbst?
  • Ressourcen & Flexibilität: RAM-Verbrauch und Grenzen der Konfiguration.

Nginx Proxy Manager (NPM) – die GUI-Lösung

NPM kombiniert den bewährten Nginx mit einer sauberen Weboberfläche. Jeder neue Dienst wird per Formular angelegt: Domain eintragen, Ziel-Container auswählen, SSL-Häkchen setzen – fertig. Auch erweiterte Funktionen wie Access Lists, IP-Sperren oder das Blockieren von Scannern lassen sich klickbar konfigurieren.

Für Einsteiger ist NPM unschlagbar, weil es keine Konfigurationssprache erfordert. Der Preis dafür: Die Docker-Integration ist schwach – neue Container werden nicht automatisch erkannt, und pro Dienst musst du das Zielnetzwerk manuell angeben. Wer viele Dienste betreibt und dynamisch erweitert, ertrinkt irgendwann in Klicks.

services:
  npm:
    image: jc21/nginx-proxy-manager:latest
    restart: unless-stopped
    ports:
      - "80:80"      # HTTP (für Let's Encrypt)
      - "443:443"    # HTTPS
      - "81:81"      # Admin-UI
    volumes:
      - ./data:/data
      - ./letsencrypt:/etc/letsencrypt

Traefik – der Automatiker

Traefik dreht das Prinzip um: Statt den Proxy zu konfigurieren, beschreibst du die Dienste – und Traefik entdeckt sie selbst. Der Clou sind Docker-Labels: Jede Compose-Datei enthält die Routing-Regeln direkt am Container, und beim docker compose up übernimmt Traefik Router, Service und Zertifikat vollautomatisch.

services:
  mein-dienst:
    image: beispiel/app
    labels:
      - "traefik.enable=true"
      - "traefik.http.routers.mein-dienst.rule=Host(`app.example.org`)"
      - "traefik.http.routers.mein-dienst.tls.certresolver=letsencrypt"
    networks: [proxy]

networks:
  proxy:
    external: true

Das klingt zunächst abstrakt, zahlt sich aber aus, sobald der Stack wächst: Neue Dienste brauchen keine einzige Änderung am Proxy. Traefik spielt seine Stärke also genau dort aus, wo NPM schwächelt – bei vielen, sich ständig ändernden Containern. Die Lernkurve ist dafür am steilsten, und die GUI fällt komplett weg.

Caddy – der Minimalist

Caddy ist der Underdog mit dem elegantesten Konzept: eine Caddyfile mit wenigen Zeilen pro Domain, und TLS inklusive Zertifikatsverwaltung ist schlicht eingebaut – ohne extra Resolver-Konfiguration. HTTPS ist hier kein Add-on, sondern der Default.

app.example.org {
    reverse_proxy uptime-kuma:3001
}

cloud.example.org {
    reverse_proxy nextcloud:80
}

Mehr steht nicht in der Datei, die deine komplette Web-Infrastruktur steuert. Einfacher geht es kaum – und weil Caddy in Go geschrieben ist, braucht er kaum Ressourcen. Nachteil: Ohne Labels muss jede neue Domain von Hand in die Caddyfile – und ein Reload (docker exec caddy caddy reload) ist nötig. Ein Ansible- oder Shell-Skript löst das für Fortgeschrittene elegant.

Direktvergleich in der Tabelle

Kriterium Nginx Proxy Manager Traefik Caddy
Einrichtung⭐⭐⭐⭐⭐ GUI, sofort verständlich⭐⭐ Konfig über Labels/CLI⭐⭐⭐⭐ Caddyfile, schnell gelernt
Let's EncryptPer KlickAutomatisch (Resolver)Automatisch, eingebaut
Docker-Auto-Discovery❌ Nein✅ Ja (Labels)⚠️ Nein, aber Skripte möglich
GUI / Dashboard✅ Vollwertig✅ Dashboard (nur Status)❌ Keine
Erweiterte Config (Header, Auth, Rate-Limit)Teils per UI, sonst Nginx-SyntaxMiddleware-SystemDirektiven + Plugins
RAM-Verbrauch (idle)~ 80–120 MB~ 40–70 MB~ 20–40 MB
Beste ZielgruppeEinsteiger, wenige DiensteViel-Dienste-Betreiber, Homelab-ProMinimalisten, Code-Liebhaber

Performance-Unterschiede waren im Test vernachlässigbar: Alle drei schaffen mehrere tausend Requests pro Sekunde und liegen weit über dem Bedarf eines privaten Hostings. Die Wahl ist also keine Technik-, sondern eine Bedienungsfrage.

Unsere Empfehlung

Startest du gerade erst mit Self-Hosting und betreibst fünf bis zehn Dienste? Dann nimm Nginx Proxy Manager – die GUI erspart dir den Einstieg ins Konfig-Dickicht und ist nach einem Abend sicher verstanden. Läuft dein Homelab bereits und du willst jeden Dienst mit drei Label-Zeilen anbinden? Dann ist Traefik die Investition, die sich bei Container Nummer 15 bezahlt macht. Und wenn du Konfiguration als Code liebst und auf Klick-Interfaces verzichten kannst, wirst du mit Caddy am glücklichsten.

Zum Mitnehmen: Einsteiger → NPM (GUI). Viel-Betreiber → Traefik (Labels). Minimalisten → Caddy (Caddyfile). Alle drei sind komplett Open Source, kostenlos und verwalten Let's-Encrypt-Zertifikate automatisch. Egal welcher: Dienste nur an 127.0.0.1 binden – der Proxy übernimmt die Außenwelt.

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